GEWALTFREIE KOMMUNIKATION.

Das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation wurde von Marshall B. Rosenberg entwickelt. Es ermöglicht Menschen so miteinander umzugehen, dass der Kommunikationsfluss zu mehr Vertrauen und Freude am Leben führt.

Gewaltfreie Kommunikation wozu?
Die GFK gestaltet, bisherige Sprachmuster im Umgang mit uns und anderen neu. Sie dient in erster Linie der Verbesserung des Kommunikationsflusses und dem gegenseitigen Verständnis. Sie verbindet Menschen konstruktiv miteinander. Dies betrifft alle Lebensbereiche unseres Alltags: Beruf, Partnerschaft, Familie.

Erlerntes Sprachmuster:
Um das zu bekommen, was wir wollen, bedienen wir uns oft der folgenden, erlernten Sprachmuster oder Verhaltensweisen:
Bewertung / Urteil / Kritik / Ermahnung / Forderung / Beschämung / Beschuldigung / Bestrafung
Wir geben damit zu verstehen, was wir über den anderen denken und wie wir über ihn urteilen (Du-Botschaften). Die Reaktion: Abwehr oder Widerstand – und dann sind wir überrascht, wenn wir nicht bekommen, was wir brauchen. Die GFK legt den Fokus darauf, was uns wichtig ist und achtet in der Kommunikation darauf, dem Gegenüber aufrichtig in klaren, knappen Worten die eigenen Gefühle und Bedürfnisse mitzuteilen (Ich-Botschaften).

Gewaltfreie Kommunikation: damit aus Konflikten Chancen werden
Die Fragen: Wer ist Schuld? Wer hat damit angefangen? Wer hat das getan? … sind Fragen nach dem Täter. Die GFK kennt keinen Täter. Sie stellt deshalb die Frage: Was brauchen die Beteiligten? Diese Frage fördert die Handlungen und Wünsche jedes Einzelnen zu Tage. Sie fokussiert damit die wichitgen Bedürfnisse der Menschen. Erst wenn diese entdeckt und angesprochen sind, können Konflikte zu Chancen reifen. Chancen auf tragfähige und beständige Lösungen.

Schritt 1 – Beobachtung

Aktion: Was wir sehen
Formulierung: Du hast die letzten drei Abende von 19–21:30 Uhr telefoniert.
Geschehen: Konkrete Handlung, die wir beobachten und die uns stört.

Schritt 2 – Gefühl
Aktion: Was wir fühlen
Formulierung: Ich bin richtig verärgert.
Geschehen: Das Gefühl wird ausgelöst durch das, was wir beobachten.

Schritt 3 – Bedürfnis
Aktion: Was wir brauchen
Formulierung: Bei der gemeinsamen Nutzung unseres Anschlusses sind mir Gerechtigkeit und Flexibilität wichtig.
Geschehen: Anhand des Gefühls kann das zu kurz gekommene Bedürfnis erkannt werden.

Schritt 4 – Bitte
Aktion: Um was wir bitten
Formulierung: Wärst du bereit, jetzt mit mir nach einer Lösung zu suchen, die uns beide zufriedenstellt?
Geschehen: Bitten um eine konkrete Handlung.

Beispiel eines denkbaren Streites: Sie wohnen in einer Wohngemeinschaft und teilen sich einen Telefonanschluss. Sie haben gerade nach einem 2,5 stündigen Gespräch den Hörer aufgelegt und bekommen von dem Gegenüber folgendes gesagt:

„Du hast jetzt schon wieder eine Ewigkeit telefoniert. Du blockierst die ganze Zeit das Telefon. Da habe ich echt das Gefühl, du machst das mit Absicht. Ich finde Du bist rücksichtslos. Nächstes mal nehme ich dein Handy und es is mir dann egal, was das kostet!“

Was löst dieser Satz bei Ihnen aus? Wie groß ist die Bereitschaft, auf den Anderen einzugehen?
Widerstand und Ablehnung werden wohl eher die Folge sein. Dass dieses Gespräch eine positive Wendung nimmt, ist also eher unwahrscheinlich.

Nehmen wir die gleiche Situation noch einmal und Sie hören die folgende Äußerung:

„Du hast die letzten drei Abende von 19 – 21:30 Uhr von unserem gemeinsamen Anschluss telefoniert. Ich bin richtig verärgert, weil mir Kontakt zu meinem Umfeld und Erreichbarkeit wichtig sind. Es ist unser gemeinsames Telefon. Wärst du bereit, jetzt mit mir nach einer Lösung zu suchen, die uns beide zufrieden stellt?“

Wie kommt dieser Satz bei Ihnen an? Ihn anzunehmen fällt wesentlich leichter. Die Wahrscheinlichkeit eines Gegenangriffes oder Widerstands sinkt. Die Gesprächsbereitschaft steigt und damit die Chance gemeinsam zu einer tragfähigen Lösung zu gelangen.

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